WTI fällt angesichts der OPEC+-Förderquoten und diplomatischer Bemühungen im Nahen Osten auf rund 101,00 US-Dollar

  • Die OPEC+ hat sich darauf geeinigt, die Ölförderziele für Dezember unverändert zu lassen, um das Angebot am Weltmarkt zu stabilisieren.
  • Die diplomatischen Gespräche zwischen den USA und regionalen Akteuren in Katar dauern an und dämpfen die unmittelbaren Befürchtungen einer größeren Eskalation im Nahen Osten.
  • Präsident Trump hat mögliche Angriffe auf den Iran bis zum Ausgang der Verhandlungen aufgeschoben, wodurch die geopolitischen Risikoprämien für Rohöl sinken.

Der Preis für Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) gibt nach drei Tagen mit Kursgewinnen nach und notiert am Montag während des asiatischen Handels bei rund 101,20 US-Dollar je Barrel. Die Ölpreise gingen zurück, nachdem sich die Organisation erdölexportierender Länder und ihre Verbündeten (OPEC+) am Sonntag darauf geeinigt hatten, die Ölförderziele für Dezember unverändert zu lassen.

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Laut einer offiziellen Erklärung beschloss die OPEC+, die für September vorgeschriebenen Fördermengen auch im Dezember beizubehalten. Im Rahmen dieser Vereinbarung liegt die Förderquote Saudi-Arabiens bei 10,478 Millionen Barrel pro Tag, gefolgt von Russland mit 9,949 Millionen und dem Irak mit 4,431 Millionen Barrel pro Tag.

Unterdessen gerieten die Rohölpreise auch unter Abwärtsdruck, da Anleger die laufenden diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Nahostkonflikts gegen die Befürchtungen erneuter US-Militäraktionen gegen den Iran abwogen. Vertreter Katars und des Iran setzten ihre Gespräche den dritten Tag in Folge fort, um noch vor den US-Zwischenwahlen eine Einigung zur Beendigung des Krieges zu erzielen.

Der Iran hat wiederholt gewarnt, dass neue Angriffe Vergeltungsschläge gegen US-amerikanische und israelische Ziele in Nachbarländern nach sich ziehen würden. Daraufhin erklärte US-Präsident Donald Trump, die USA würden vor den Wahlen auf neue Angriffe auf den Iran verzichten. Er verwies dabei auf Fortschritte bei den Verhandlungen mit Teheran, schloss weitere Militäraktionen nach den Wahlen jedoch nicht aus.

Analysten der Rabobank warnen, dass die Aussichten für Brent zunehmend nicht nur von geopolitischen Spannungen, sondern auch von wachsenden Verwerfungen am physischen Markt geprägt werden. Sie argumentieren, dass „eine erneute Eskalation das physische Angebot unmittelbar bedroht“, da die Energieinfrastruktur und wichtige Transportrouten anfälliger für Störungen werden. Gleichzeitig betont die Rabobank, dass „es außerordentlich kostspielig und störanfällig geworden ist, das Öl auf den Markt zu bringen“: Der sogenannte „Hormus-Shuttle“ mag den Rohölfluss aufrechterhalten, doch Tankerfrachtraten auf Rekordniveau sowie Versicherungs- und Logistikkosten führen dazu, dass „physisches Öl deutlich über den Terminpreisen gehandelt wird“. Dies verdeutlicht den Preisaufschlag für tatsächlich lieferbare Barrel gegenüber den Papiermärkten.

Häufig gestellte Fragen zu WTI-Öl

WTI-Öl ist eine Rohölsorte, die an internationalen Märkten gehandelt wird. WTI steht für West Texas Intermediate und zählt neben Brent und Dubai Crude zu den drei wichtigsten Rohölsorten. WTI wird aufgrund seiner relativ geringen Dichte als „leicht“ und wegen seines niedrigen Schwefelgehalts als „süß“ bezeichnet. Es gilt als hochwertiges Öl, das sich leicht raffinieren lässt. Es wird in den Vereinigten Staaten gefördert und über den Umschlagplatz Cushing verteilt, der als „Pipeline-Kreuzung der Welt“ gilt. WTI dient als Referenzgröße für den Ölmarkt, und sein Preis wird häufig in den Medien genannt.

Wie bei allen Vermögenswerten sind Angebot und Nachfrage die wichtigsten Einflussfaktoren für den Preis von WTI-Öl. So kann das weltweite Wirtschaftswachstum die Nachfrage ankurbeln, während ein schwaches globales Wachstum den gegenteiligen Effekt haben kann. Politische Instabilität, Kriege und Sanktionen können das Angebot beeinträchtigen und die Preise beeinflussen. Auch die Entscheidungen der OPEC, eines Zusammenschlusses wichtiger Ölförderländer, sind ein wesentlicher Preistreiber. Der Wert des US-Dollars beeinflusst den Preis von WTI-Rohöl, da Öl überwiegend in US-Dollar gehandelt wird. Ein schwächerer US-Dollar kann Öl daher erschwinglicher machen und umgekehrt.

Die wöchentlichen Ölbestandsberichte des American Petroleum Institute (API) und der Energy Information Agency (EIA) beeinflussen den Preis von WTI-Öl. Veränderungen der Lagerbestände spiegeln Schwankungen bei Angebot und Nachfrage wider. Zeigen die Daten einen Rückgang der Bestände, kann dies auf eine gestiegene Nachfrage hindeuten und den Ölpreis nach oben treiben. Höhere Lagerbestände können auf ein gestiegenes Angebot hinweisen und die Preise drücken. Der Bericht des API erscheint jeden Dienstag, der der EIA am darauffolgenden Tag. Die Ergebnisse sind in der Regel ähnlich: In 75 % der Fälle weichen sie um höchstens 1 % voneinander ab. Die Daten der EIA gelten als zuverlässiger, da es sich um eine staatliche Behörde handelt.

Die OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) ist ein Zusammenschluss von 12 Ölförderländern, die bei zweimal jährlich stattfindenden Treffen gemeinsam die Förderquoten für ihre Mitgliedstaaten festlegen. Ihre Entscheidungen wirken sich häufig auf die Preise von WTI-Öl aus. Beschließt die OPEC eine Senkung der Quoten, kann dies das Angebot verknappen und die Ölpreise nach oben treiben. Erhöht die OPEC die Förderung, hat dies den gegenteiligen Effekt. OPEC+ bezeichnet eine erweiterte Gruppe, der zusätzlich zehn Länder angehören, die nicht Mitglied der OPEC sind. Das bedeutendste davon ist Russland.