
Der US-Dollar-Index (DXY), der die Entwicklung des US-Dollar gegenüber einem Währungskorb abbildet, kann die moderate Erholung vom Freitag aus dem Bereich von 101,60 kaum fortsetzen und zieht zu Beginn der neuen Woche erneut Verkäufer an. Im frühen europäischen Handel hält der Index an seinen Tagesverlusten fest und notiert derzeit nahe 101,75, was einem Minus von über 0,20 % entspricht. Hintergrund sind neue Hoffnungen auf einen diplomatischen Durchbruch zur Beendigung des Krieges zwischen den USA und dem Iran.

Berichten zufolge führten iranische Unterhändler am Sonntag den dritten Tag in Folge Gespräche mit katarischen Vermittlern. Dabei schlugen sie einen Zweitagesplan zur Wiederöffnung der Straße von Hormus vor, sofern die USA eine Reihe von Bedingungen erfüllen. Zudem erklärte US-Präsident Donald Trump, die Verhandlungen mit dem Iran verliefen gut und der Iran wolle eine Einigung. Dies stärkte das Vertrauen der Anleger und dämpfte die Nachfrage nach dem US-Dollar (USD) als traditionellem sicheren Hafen.
Unterdessen bleibt die geopolitische Risikoprämie bestehen, da Trump weitere Militäraktionen nach den Zwischenwahlen am 3. November nicht ausgeschlossen hat. Darüber hinaus dürften eine erneute Eskalation des Russland-Ukraine-Konflikts sowie Erwartungen, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen im Dezember erneut anheben wird, dem DXY Rückenwind geben. Dies mahnt die Bären wiederum zu einer gewissen Vorsicht, während die wichtigen US-Konjunkturdaten dieser Woche in den Fokus rücken.
Aus technischer Sicht bleibt die Intraday-Tendenz des Index unterhalb des einfachen gleitenden 100-Stunden-Durchschnitts (SMA) bei 102,10 bärisch. Zudem ist der Moving Average Convergence Divergence (MACD) leicht in den negativen Bereich gerutscht, während der Relative-Stärke-Index (RSI) bei etwa 41 liegt. Zusammengenommen deuten die Momentumindikatoren darauf hin, dass der Erholungsversuch des DXY an Schwung verliert, statt eine nachhaltige Aufwärtsbewegung einzuleiten.
Um den unmittelbaren Abwärtsdruck zu verringern, müsste daher zunächst die Hürde am 100-Perioden-SMA zurückerobert werden. Auf der Unterseite bietet die Marke von 101,60 eine erste Unterstützung, gefolgt vom Oktober-Verlaufstief im Bereich von 101,45. Ein klarer Bruch unter dieses Tief würde den Weg für stärkere Verluste ebnen und den DXY weiter unter die runde Marke von 101,00 in Richtung der Unterstützung am 100-Tage-SMA drücken, der derzeit im Bereich von 100,70 liegt.
(Die technische Analyse dieses Artikels wurde mithilfe eines KI-Tools erstellt. Mehr erfahren.)
Der US-Dollar (USD) ist die offizielle Währung der Vereinigten Staaten von Amerika und die De-facto-Währung zahlreicher weiterer Länder, in denen er neben den lokalen Banknoten im Umlauf ist. Er ist die meistgehandelte Währung der Welt. Laut Daten aus dem Jahr 2022 entfallen auf ihn über 88 % des weltweiten Devisenumsatzes beziehungsweise Transaktionen im Wert von durchschnittlich 6,6 Billionen US-Dollar pro Tag. Nach dem Zweiten Weltkrieg löste der US-Dollar das britische Pfund als Weltreservewährung ab. Während des größten Teils seiner Geschichte war der US-Dollar durch Gold gedeckt, bis der Goldstandard mit dem Abkommen von Bretton Woods im Jahr 1971 abgeschafft wurde.
Der wichtigste einzelne Einflussfaktor für den Wert des US-Dollar ist die Geldpolitik, die von der Federal Reserve (Fed) bestimmt wird. Die Fed hat ein doppeltes Mandat: Sie soll Preisstabilität gewährleisten, also die Inflation unter Kontrolle halten, und Vollbeschäftigung fördern. Ihr wichtigstes Instrument zur Erreichung dieser beiden Ziele ist die Anpassung der Zinssätze. Wenn die Preise zu schnell steigen und die Inflation über dem Zielwert der Fed von 2 % liegt, erhöht die Fed die Zinsen, was den Wert des US-Dollar stützt. Fällt die Inflation unter 2 % oder ist die Arbeitslosenquote zu hoch, kann die Fed die Zinsen senken, was den US-Dollar belastet.
In Extremsituationen kann die Federal Reserve auch zusätzliche US-Dollar drucken und eine quantitative Lockerung (Quantitative Easing, QE) einleiten. Dabei erhöht die Fed die Kreditversorgung eines ins Stocken geratenen Finanzsystems erheblich. Diese unkonventionelle geldpolitische Maßnahme kommt zum Einsatz, wenn die Kreditvergabe versiegt ist, weil Banken einander aus Angst vor einem Zahlungsausfall der Gegenpartei keine Kredite mehr gewähren. Sie ist das letzte Mittel, wenn eine reine Zinssenkung voraussichtlich nicht das gewünschte Ergebnis erzielen würde. Die Fed setzte sie bevorzugt ein, um die Kreditklemme während der globalen Finanzkrise 2008 zu bekämpfen. Dabei druckt die Fed zusätzliche US-Dollar und kauft damit vorwiegend von Finanzinstituten US-Staatsanleihen. QE führt in der Regel zu einem schwächeren US-Dollar.
Die quantitative Straffung (Quantitative Tightening, QT) ist der umgekehrte Prozess: Die Federal Reserve stellt den Ankauf von Anleihen bei Finanzinstituten ein und reinvestiert die Rückzahlungen aus fällig werdenden Anleihen in ihrem Bestand nicht in neue Käufe. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf den US-Dollar aus.