
Der US-Dollar (USD) notiert nahezu unverändert, nachdem er seine anfänglichen Gewinne wieder abgegeben hat, die durch den kräftigen Anstieg der Anleiherenditen in Frankreich ausgelöst worden waren. Soziale Unruhen in Frankreich aufgrund steigender Lebenshaltungskosten hatten die Attraktivität des US-Dollars als sicherer Hafen etwas erhöht. Wegen anhaltender Sorgen rund um künstliche Intelligenz (KI) konnte er daraus jedoch kein weiteres Kapital schlagen.

Im asiatischen Handel am Montag notiert der US-Dollar-Index (DXY), der den Wert des US-Dollars gegenüber sechs wichtigen Währungen abbildet, nach einem Rückgang von seinem Tageshoch bei 102,01 unverändert bei rund 101,80. Die Renditen zehnjähriger französischer Anleihen steigen um 1,55 % auf knapp 4,85 %. Damit liegen sie nicht weit von ihrem Anfang dieses Monats erreichten Hoch bei 5 % entfernt, dem höchsten Stand seit über zwei Jahrzehnten.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilte am Sonntag in einer Fernsehansprache an die Nation „schockierende“ Gewaltszenen am Rande von Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten, wie Reuters berichtete. Am Vortag hatte Frankreich einen der schwersten Tage mit Unruhen seit Jahren erlebt.
Der US-Dollar kann seine Erholungsgewinne nicht halten, da KI-Aktien angesichts der Unsicherheit über die Fortsetzung des Investitionszyklus in der Branche weiter unter Druck stehen.
Die Strategen von OCBC betonen, dass KI-bezogene Investitionen zu einer wichtigen Stütze für die US-Konjunktur und die US-Märkte geworden seien: „KI hat das US-Wachstum, die Aktienkurse, die Renditen und den USD gestützt.“ Sie warnen jedoch, dass „diese Stärke auch eine Kehrseite hat“. Sollte sich der Investitionszyklus abkühlen, „könnten sich dieselben Stützfaktoren ins Gegenteil verkehren und den Dollar selbst in einem von Risikoaversion geprägten Umfeld anfällig machen“.
OCBC betont, dass „der USD nicht immer von Risikoaversion profitiert“. Gehe der Schock von den USA aus, „wie bei den jüngsten Sorgen um die KI-Finanzierung, kann der Druck auf US-Anlagen die traditionelle Attraktivität des USD als sicherer Hafen überlagern“. Dies sei bedeutsam, argumentieren die Strategen, weil „KI zu einer wichtigen Säule für die Widerstandsfähigkeit des US-Wachstums geworden ist“.
Mit Blick auf den Devisenmarkt beschreibt OCBC „eine ungewöhnliche Kombination: Risikoaversion, niedrigere US-Staatsanleiherenditen und ein schwächerer USD“. Die Strategen betonen, dass „dies nicht der typische globale Risikoaversion-Schock ist, bei dem Anleger einfach in den USD flüchten“. Stattdessen gelte: „Wenn die Belastung von den USA ausgeht, kann die Nachfrage nach US-Staatsanleihen als sicherem Hafen deren Renditen drücken, während schwächere Erträge von US-Anlagen die relative Attraktivität des USD mindern.“
Vorerst betrachtet OCBC „die jüngsten KI-Sorgen eher als Rückschlag denn als Bruch im übergeordneten Investitionstrend“. Zwar „erscheinen die Sorgen überzogen, sind aber noch lange nicht ausgestanden“, doch die Episode wird als „nützliche Erinnerung für den Devisenmarkt“ gesehen. Abschließend erklären die Strategen: „Je stärker der USD im Aufschwung von der KI-getriebenen Widerstandsfähigkeit des US-Wachstums profitiert, desto anfälliger wird er, wenn diese Stütze nachzulassen beginnt.“
Was die Geldpolitik betrifft, bleiben Händler laut dem CME FedWatch-Tool zuversichtlich, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen bei ihrer Sitzung im weiteren Monatsverlauf unverändert lassen wird. Die Wahrscheinlichkeit unveränderter Zinsen stieg, nachdem mehrere Fed-Vertreter signalisiert hatten, dass keine Eile für eine weitere Zinserhöhung bestehe.

Im Tageschart notiert der Dollar-Spotindex bei 101,87 und hält sich damit über seinem exponentiellen gleitenden 20-Tage-Durchschnitt (EMA) bei 101,65. Dadurch bleibt die konstruktive, kurzfristig bullische Tendenz bestehen. Der Kurs wird weiterhin von diesem steigenden EMA gestützt. Zugleich liegt der Relative-Stärke-Index (RSI) mit 57 über der neutralen 50er-Linie, was auf eine anhaltend positive Dynamik und nicht auf eine überkaufte Marktlage hindeutet.
Auf der Unterseite liegt die erste Unterstützung am 20-Tage-EMA bei etwa 101,65. Ein deutlicher Bruch dieser Marke würde nachlassenden Aufwärtsdruck signalisieren und den Weg für eine stärkere Korrektur nach unten öffnen. Solange der Index diesen gleitenden Durchschnitt auf Schlusskursbasis verteidigt, spricht das übergeordnete Bild für Kaufinteresse bei Rücksetzern. Dabei besteht Spielraum für eine Fortsetzung des Anstiegs, solange die Dynamik positiv bleibt.
(Die technische Analyse dieses Artikels wurde mithilfe eines KI-Tools erstellt. Mehr erfahren.)
Der US-Dollar (USD) ist die offizielle Währung der Vereinigten Staaten von Amerika und die „De-facto-Währung“ zahlreicher weiterer Länder, in denen er neben lokalen Banknoten im Umlauf ist. Er ist die meistgehandelte Währung der Welt und macht laut Daten aus dem Jahr 2022 über 88 % des weltweiten Devisenumsatzes aus. Das entspricht einem durchschnittlichen Transaktionsvolumen von 6,6 Billionen US-Dollar pro Tag. Nach dem Zweiten Weltkrieg löste der USD das britische Pfund als weltweite Reservewährung ab. Über weite Teile seiner Geschichte war der US-Dollar durch Gold gedeckt, bis 1971 mit dem Bretton-Woods-Abkommen der Goldstandard abgeschafft wurde.
Der wichtigste einzelne Einflussfaktor für den Wert des US-Dollars ist die Geldpolitik, die von der Federal Reserve (Fed) bestimmt wird. Die Fed hat ein doppeltes Mandat: Preisstabilität zu gewährleisten, also die Inflation unter Kontrolle zu halten, und Vollbeschäftigung zu fördern. Ihr wichtigstes Instrument zur Erreichung dieser beiden Ziele ist die Anpassung der Zinssätze. Wenn die Preise zu schnell steigen und die Inflation über dem 2-%-Ziel der Fed liegt, erhöht die Fed die Zinsen, was den Wert des USD stützt. Fällt die Inflation unter 2 % oder ist die Arbeitslosenquote zu hoch, kann die Fed die Zinsen senken, was den US-Dollar belastet.
In extremen Situationen kann die Federal Reserve auch zusätzliche Dollar drucken und eine quantitative Lockerung (Quantitative Easing, QE) einleiten. QE bezeichnet ein Verfahren, mit dem die Fed den Kreditfluss in einem ins Stocken geratenen Finanzsystem erheblich ausweitet. Es handelt sich um eine unkonventionelle geldpolitische Maßnahme, die zum Einsatz kommt, wenn der Kreditfluss versiegt ist, weil Banken einander aus Angst vor einem Ausfall der Gegenpartei keine Kredite mehr gewähren. Sie ist das letzte Mittel, wenn eine bloße Zinssenkung voraussichtlich nicht das erforderliche Ergebnis erzielen würde. QE war das bevorzugte Instrument der Fed zur Bekämpfung der Kreditklemme während der großen Finanzkrise 2008. Dabei druckt die Fed zusätzliche Dollar und kauft damit US-Staatsanleihen, überwiegend von Finanzinstituten. QE führt in der Regel zu einem schwächeren US-Dollar.
Quantitative Straffung (Quantitative Tightening, QT) ist der umgekehrte Prozess: Die Federal Reserve stellt den Kauf von Anleihen von Finanzinstituten ein und reinvestiert die Tilgungsbeträge fällig werdender Anleihen aus ihrem Bestand nicht in neue Käufe. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf den US-Dollar aus.