
Die Ölpreise verzeichnen ihren stärksten Wochenrückgang seit Monaten, da der Erdrutschsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen die Hoffnung auf ein Ende des Kriegs gegen den Iran verstärkt hat. Ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) hat im bisherigen Wochenverlauf 14,25 % an Wert verloren und notiert zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels bei 87,50 US-Dollar, nachdem es die Unterstützung am einfachen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt (SMA) nahe 86,00 US-Dollar getestet hatte.

Die Rohölpreise brachen am Mittwoch ein, da die deutliche Niederlage von US-Präsident Donald Trump bei den Zwischenwahlen die Ablehnung der republikanischen Politik bestätigte, insbesondere des Kriegs im Iran und der Folgen des dadurch ausgelösten Energieschocks.
Trump sagte am Mittwoch in einem Interview mit der Financial Times, dass er die Intervention im Iran nicht bereue. Zugleich bekräftigte er jedoch, dass die USA keine unmittelbaren Pläne hätten, die Kampfhandlungen wieder aufzunehmen. Ebenfalls am Mittwoch bezeichnete Vizepräsident JD Vance den Iran-Krieg als Hauptgrund für das Wahlergebnis. Dies hat die Hoffnung verstärkt, dass die Regierung einen raschen Ausstieg aus dem Konflikt anstreben wird.
Unterdessen teilten die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) am Donnerstag mit, dass zwei Öltanker in Brand geraten seien, nachdem sie versucht hätten, die Straße von Hormus auf einer von den Revolutionsgarden als „nicht genehmigte Route“ bezeichneten Strecke zu passieren. Dies verhindert angesichts anhaltender Sorgen über Lieferunterbrechungen einen weiteren Rückgang der Rohölpreise.

US-Rohöl der Sorte WTI notiert bei 87,52 US-Dollar und hält sich damit knapp über dem einfachen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt (SMA), während sich das Momentum deutlich abschwächt. Der Relative-Stärke-Index (RSI) im Tageschart ist auf 36,5 gesunken. Die Linie des Moving Average Convergence Divergence (MACD) hat die Signallinie nach unten gekreuzt, und das Histogramm ist weiter in den negativen Bereich gerutscht. Dies verdeutlicht, dass der jüngste Rücksetzer trotz des weiterhin positiven übergeordneten Trends an Dynamik gewinnt.
Ein bestätigter Durchbruch unter den genannten Bereich von 86,00 US-Dollar dürfte als Signal für einen Trendwechsel gewertet werden und den Abwärtsdruck in Richtung der Tiefstände von Ende August nahe 79,30 US-Dollar sowie des Tiefs vom 3. August nahe 73,50 US-Dollar verstärken. Auf der Oberseite liegt der erste Widerstand im früheren Unterstützungsbereich um 94,50 US-Dollar (Tief vom 2. November), gefolgt von den Hochs der vergangenen Woche oberhalb von 103,67 US-Dollar.
(Die technische Analyse dieses Artikels wurde mithilfe eines KI-Tools erstellt. Mehr erfahren.)
WTI-Öl ist eine Rohölsorte, die an den internationalen Märkten gehandelt wird. WTI steht für West Texas Intermediate und zählt neben Brent und Dubai Crude zu den drei wichtigsten Rohölsorten. WTI wird aufgrund seiner vergleichsweise geringen Dichte und seines niedrigen Schwefelgehalts auch als „leicht“ beziehungsweise „süß“ bezeichnet. Es gilt als hochwertiges Öl, das sich leicht raffinieren lässt. Es wird in den Vereinigten Staaten gefördert und über den Umschlagplatz Cushing verteilt, der als „Pipeline-Kreuzung der Welt“ gilt. WTI dient als Referenzsorte für den Ölmarkt, und sein Preis wird häufig in den Medien genannt.
Wie bei allen Vermögenswerten sind Angebot und Nachfrage die wichtigsten Einflussfaktoren für den WTI-Ölpreis. So kann ein stärkeres globales Wirtschaftswachstum die Nachfrage erhöhen, während ein schwaches Wachstum den gegenteiligen Effekt haben kann. Politische Instabilität, Kriege und Sanktionen können das Angebot beeinträchtigen und die Preise beeinflussen. Ein weiterer wichtiger Preisfaktor sind die Entscheidungen der OPEC, eines Zusammenschlusses bedeutender Ölförderländer. Auch der Wert des US-Dollars beeinflusst den Preis von WTI-Rohöl, da Öl überwiegend in US-Dollar gehandelt wird. Ein schwächerer US-Dollar kann Öl daher erschwinglicher machen, während ein stärkerer US-Dollar den gegenteiligen Effekt haben kann.
Die wöchentlichen Berichte zu den Öllagerbeständen des American Petroleum Institute (API) und der US-Energieinformationsbehörde (EIA) beeinflussen den WTI-Ölpreis. Veränderungen der Lagerbestände spiegeln Schwankungen von Angebot und Nachfrage wider. Zeigen die Daten einen Rückgang der Bestände, kann dies auf eine gestiegene Nachfrage hindeuten und den Ölpreis nach oben treiben. Höhere Lagerbestände können auf ein größeres Angebot hinweisen und die Preise drücken. Der API-Bericht wird jeden Dienstag veröffentlicht, der EIA-Bericht am darauffolgenden Tag. Die Ergebnisse fallen in der Regel ähnlich aus: In 75 % der Fälle beträgt die Abweichung höchstens 1 %. Die EIA-Daten gelten als zuverlässiger, da sie von einer staatlichen Behörde stammen.
Die OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) ist ein Zusammenschluss von 12 Ölförderländern, die bei ihren zweimal jährlich stattfindenden Treffen gemeinsam Förderquoten für die Mitgliedsländer festlegen. Ihre Entscheidungen wirken sich häufig auf die WTI-Ölpreise aus. Beschließt die OPEC, die Quoten zu senken, kann dies das Angebot verknappen und die Ölpreise nach oben treiben. Erhöht die OPEC die Förderung, hat dies den gegenteiligen Effekt. OPEC+ bezeichnet eine erweiterte Gruppe, der zehn zusätzliche Länder angehören, die keine OPEC-Mitglieder sind. Das bedeutendste davon ist Russland.