
Der US-Dollar hält sich auf einem Zweiwochenhoch, während Gold vor der heutigen Zinsentscheidung der US-Notenbank in Richtung 4.000 US-Dollar nachgibt.
Die US-Notenbank Federal Reserve wird ihre Zinsentscheidung um 18:00 Uhr GMT bekannt geben. Allgemein wird erwartet, dass sie die Zinsen unverändert bei 3,75 %–4 % belässt. Der Markt preist eine Zinspause mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 % ein. Da nur geringfügige Anpassungen an der geldpolitischen Erklärung erwartet werden, richten sich die Blicke auf das Abstimmungsergebnis und die Pressekonferenz von Fed-Chef Kevin Warsh. Sie könnten Hinweise darauf liefern, wie wahrscheinlich eine Zinserhöhung im Dezember ist.

Die Sitzung findet vor dem Hintergrund einer im September auf 3,7 % gegenüber dem Vorjahr gestiegenen Verbraucherpreisinflation statt, während die Erzeugerpreise im Jahresvergleich um mehr als 6 % zulegten. Die Kerninflation, bei der stärker schwankende Komponenten wie Nahrungsmittel und Kraftstoffe ausgeklammert werden, stieg hingegen nur moderat auf 2,6 %. Obwohl die Daten die Argumente für eine weitere geldpolitische Straffung stärken, haben die Währungshüter nach der Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September signalisiert, im Oktober auf eine unmittelbar folgende weitere Anhebung zu verzichten.
Das Basisszenario ist eine Zinspause mit restriktivem Signal. Dabei konzentriert sich der Markt nicht auf die Frage, ob die Fed erneut straffen wird, sondern darauf, wie weit die Zinsen in den kommenden Monaten noch steigen könnten. Da weder neue Projektionen noch ein neuer Dot-Plot vorgelegt werden, könnten das Abstimmungsergebnis sowie die Wortwahl und der Tonfall von Kevin Warsh die Marktreaktion bestimmen.
Das Stimmenverhältnis, also ob und wie viele der zwölf Ausschussmitglieder für eine sofortige Zinserhöhung votieren, könnte Aufschluss darüber geben, wie wahrscheinlich eine Zinserhöhung der Fed im Dezember ist. Stimmen alle Mitglieder für eine Zinspause, könnte der Markt dies als weniger restriktives Signal interpretieren. Stimmen hingegen einzelne Mitglieder für eine Erhöhung, könnte dies als stärker restriktives Signal gewertet werden und eine Zinserhöhung im Dezember deutlich wahrscheinlicher machen.
Obwohl Kevin Warsh konkrete Hinweise auf den künftigen geldpolitischen Kurs in der Regel vermeidet, wird erwartet, dass er die Notwendigkeit einer weiteren Straffung bekräftigt. Der Markt preist eine Zinserhöhung im Dezember mit einer Wahrscheinlichkeit von 84 % sowie zwei weitere Zinserhöhungen im nächsten Jahr ein. Die erste davon ist für April vollständig eingepreist. Die Fed könnte versuchen, die Erwartungen einer Zinserhöhung im Dezember zu festigen. Dies könnte den US-Dollar und die Renditen von US-Staatsanleihen steigen lassen und Gold belasten.

Sollte die Fed darauf verzichten, eine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung zu signalisieren, könnte dies eine Erleichterungsrally bei risikobehafteten Anlagen und Gold auslösen sowie die Renditen von US-Staatsanleihen und den Dollar nach unten ziehen. Eine Zinspause mit restriktivem Signal und wenigen Überraschungen könnte hingegen einen moderateren Anstieg des Dollars und Rückgang des Goldpreises nach sich ziehen.
Auch eine Zinspause mit einem deutlich restriktiven Signal könnte Gold unter Druck setzen. Das Edelmetall notiert vor der Fed-Sitzung schwächer und gibt einen Teil seines gestrigen Anstiegs von 1 % wieder ab, da höhere Ölpreise Inflationsängste schüren.
Analysten haben ihre Goldpreisprognose für 2026 angesichts hoher Renditen von US-Staatsanleihen, eines starken US-Dollars und der Erwartung länger anhaltend hoher Zinsen das zweite Quartal in Folge gesenkt. Für 2027 wird jedoch eine Erholung der Goldpreise erwartet.

Gold notiert unterhalb seiner fallenden Trendlinie. Auch die exponentiellen gleitenden Durchschnitte über 50 und 200 Perioden (EMA) deuten auf ein bärisches Bild hin. Der Kurs durchbrach kürzlich die Marke von 4.100 US-Dollar nach unten und fiel auf ein Tief von 3.975 US-Dollar. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels hat er sich leicht auf über 4.030 US-Dollar erholt. Das bärische Gesamtbild bleibt jedoch intakt.
Die Verkäufer dürften versuchen, das jüngste Tief zu unterschreiten und anschließend 3.940 US-Dollar, das Tief des Jahres 2026, anzusteuern. Darunter rückt die Marke von 3.800 US-Dollar in den Fokus.
Für eine Erholung müsste zunächst die Marke von 4.100 US-Dollar zurückerobert werden, an der die fallende Trendlinie und ein horizontaler Widerstand zusammentreffen. Danach richtet sich der Blick auf 4.200 US-Dollar, wo der 50-Perioden-EMA und ein wichtiger Widerstand aus dem Oktober liegen. Ein Anstieg darüber würde den Weg zum 200-Perioden-EMA bei 4.280 US-Dollar öffnen, die technische Ausgangslage festigen und 4.500 US-Dollar in den Fokus rücken.
Da Gold bereits unterhalb seines 50- und 200-Perioden-EMA notiert, könnte eine restriktiv auftretende Fed das bärische technische Bild durch höhere Realrenditen und einen stärkeren Dollar untermauern. Schlägt die Fed hingegen einen weniger restriktiven Ton an als vom Markt erwartet, könnte ein schwächerer Dollar Gold dabei helfen, sich in Richtung 4.100 US-Dollar zu erholen.