【TMGM Finanzrückblick】SpaceX erzielt erstmals seit dem Börsengang Gewinn: KI-Umsatz übertrifft zum ersten Mal den Starlink-Umsatz! Musk bestätigt zudem, dass beide Unternehmen Sonderausschüsse zur Prüfung einer Fusion gebildet haben

SpaceX hat nicht nur erstmals einen Gewinn erzielt, sondern auch eine Verschiebung seiner Umsatzstruktur verzeichnet: Der umbenannte Geschäftsbereich „Superintelligence“ erwirtschaftete 7,56 Milliarden US-Dollar Umsatz und übertraf damit erstmals den Gesamtumsatz des Raketenstart- und des Kommunikationsgeschäfts. Am selben Tag bestätigte Musk in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen, dass SpaceX und Tesla jeweils Sonderausschüsse eingerichtet haben, um eine Fusion zu prüfen. Zusammen werden die beiden Unternehmen mit rund 3,5 Billionen US-Dollar bewertet. Bemerkenswert ist, dass rund 1,6 Milliarden US-Dollar des Nettogewinns von 4,4 Milliarden US-Dollar aus Quellen außerhalb des Kerngeschäfts stammten.

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Das erste profitable Quartal seit dem Börsengang

Der Umsatz von SpaceX erreichte im dritten Quartal 14,58 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 161 % gegenüber dem Vorjahr und liegt 14 % über den Analystenerwartungen. Der Nettogewinn betrug 4,4 Milliarden US-Dollar gegenüber erwarteten 1,88 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,35 US-Dollar gegenüber erwarteten 0,15 US-Dollar. Das bereinigte EBITDA stieg im Vorjahresvergleich um 306 % auf 8,81 Milliarden US-Dollar.

Dies war das erste profitable Quartal seit dem Börsengang am 12. Juni. Im zweiten Quartal hatte der Umsatz 7,81 Milliarden US-Dollar betragen, bei einem Nettoverlust von 541 Millionen US-Dollar. Im Vorjahresquartal hatte sich der Nettoverlust auf 1,05 Milliarden US-Dollar belaufen. Das operative Ergebnis erreichte 2,79 Milliarden US-Dollar, was einer operativen Marge von rund 19 % entspricht. Im zweiten Quartal war noch ein operativer Verlust angefallen. Der Umsatz stammte aus drei Geschäftsbereichen: Raketenstarts erwirtschafteten 1,77 Milliarden US-Dollar, das Kommunikationsgeschäft, zu dem Starlink gehört, 5,25 Milliarden US-Dollar. Die übrigen 7,56 Milliarden US-Dollar entfielen auf einen Bereich, der Anfang dieses Jahres in „Superintelligence“ umbenannt wurde.

Die Hälfte des Umsatzes stammt aus der Vermietung von Rechenkapazität

Der Geschäftsbereich „Superintelligence“ erzielte einen Umsatz von 7,56 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 830 % gegenüber dem Vorjahr und 195 % gegenüber dem Vorquartal. Damit übertraf er erstmals den Gesamtumsatz des Raketenstart- und des Kommunikationsgeschäfts. Diese Einnahmen stammen aus der Vermietung von Rechenkapazität und nicht aus dem Verkauf von Modellen: Anthropic unterzeichnete im Mai eine Vereinbarung, über drei Jahre knapp 45 Milliarden US-Dollar für die Nutzung des SpaceX-Rechenzentrums Colossus zu zahlen. Google folgte im Juni und vereinbarte im Rahmen eines bis Juni 2029 laufenden Vertrags monatliche Zahlungen von 920 Millionen US-Dollar ab Oktober.

Das Programmierwerkzeug Cursor, das seit dem 14. August in den Konzernabschluss von SpaceX einbezogen wird, steuerte weitere 608 Millionen US-Dollar bei. Ohne diesen Konsolidierungsbeitrag erreichte der Umsatz mit Infrastruktur und Lösungen immer noch 6,414 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 192 % gegenüber dem Vorquartal. Das zeigt, dass das Wachstum nicht ausschließlich auf Übernahmen beruhte.

Auch die installierte Kapazität zur Erfüllung dieser Verträge wächst: Die in Betrieb befindliche Rechenkapazität liegt bei 1,7 Gigawatt, gegenüber 0,6 Gigawatt vor einem Jahr. Durch die mehrjährigen Vertragslaufzeiten ist ein Teil der Umsätze gesichert. Ob diese auch profitabel sind, ist eine andere Frage.

Wie sich der Nettogewinn von 4,4 Milliarden US-Dollar zusammensetzt

Das Kommunikationsgeschäft, zu dem Starlink gehört, erzielte einen Umsatz von 5,248 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 69 % gegenüber dem Vorjahr, sowie einen operativen Gewinn von 2,367 Milliarden US-Dollar. Damit steuerte es den Großteil des operativen Gewinns der drei Geschäftsbereiche bei. Die Zahl der Abonnenten erreichte 13,6 Millionen, ein Anstieg um 1,6 Millionen gegenüber dem Vorquartal. Der durchschnittliche monatliche Umsatz je Nutzer sank von 83 US-Dollar vor einem Jahr auf 69 US-Dollar, da die Strategie fortgesetzt wurde, durch niedrigere Preise das Abonnentenwachstum anzukurbeln.

„Superintelligence“ wies einen operativen Gewinn von lediglich 431 Millionen US-Dollar aus. Darin sind Aufwendungen für aktienbasierte Vergütungen von rund 1,2 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit der Cursor-Übernahme enthalten. Ohne diesen Aufwand betrug der operative Gewinn etwa 1,6 Milliarden US-Dollar. Das Raketenstartgeschäft verzeichnete einen operativen Verlust von 7 Millionen US-Dollar und führte im dritten Quartal 35 Starts durch. Zwar absolvierte Starship seinen ersten umsatzwirksamen Flug und brachte dabei 26 Starlink-Satelliten der nächsten Generation in die Umlaufbahn, doch das Raketenstartgeschäft hat bislang noch keinen operativen Gewinn erzielt.

Zusammen erwirtschafteten die drei Segmente einen operativen Gewinn von 2,79 Milliarden US-Dollar, während der Nettogewinn 4,4 Milliarden US-Dollar erreichte. Die Differenz von 1,61 Milliarden US-Dollar entfiel auf sonstige Erträge, das Nettozinsergebnis und Steuererträge. Das entsprach 37 % des Nettogewinns. Die sonstigen Erträge beliefen sich auf 1,03 Milliarden US-Dollar, darunter 561 Millionen US-Dollar aus Geschäften mit nahestehenden Parteien, deren Identität im Finanzbericht nicht offengelegt wurde.

Die Investitionsausgaben erreichten im dritten Quartal 19,59 Milliarden US-Dollar und damit fast das Dreifache des Vorjahreswerts. Davon flossen 16,44 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur, sodass der freie Cashflow negativ blieb. Bei einem Gewinn von 4,4 Milliarden US-Dollar und gleichzeitigen Investitionsausgaben von 19,59 Milliarden US-Dollar braucht diese Finanzstruktur eine Perspektive. Musk hat dafür eine Fusion ins Spiel gebracht.

Eine Fusion im Wert von 3,5 Billionen US-Dollar hängt von einer Abstimmungshürde ab

Musk bestätigte in der Telefonkonferenz, dass SpaceX und Tesla jeweils Sonderausschüsse aus unabhängigen Verwaltungsratsmitgliedern eingerichtet haben, um eine Fusion zu prüfen. Als Chef beider Unternehmen befindet er sich in einem Interessenkonflikt und nimmt nicht an den Gesprächen teil. Die beiden Unternehmen kommen zusammen auf eine Marktkapitalisierung von rund 3,5 Billionen US-Dollar. Ein erfolgreicher Abschluss wäre die größte Unternehmensfusion der Geschichte. Barclays erwartet eine reine Aktientransaktion, bei der SpaceX Tesla übernimmt. Eine Ankündigung könnte noch vor der jährlichen Tesla-Hauptversammlung am 3. Dezember erfolgen.

Die Hürde liegt aufseiten von Tesla. Musk erklärte, der Vorschlag benötige die Zustimmung von Aktionären, die 50 % aller Tesla-Aktien vertreten, und nicht lediglich die Mehrheit der auf der Versammlung vertretenen Aktien. Er bezeichnete dies als „eine ziemlich hohe Hürde“. Bei Tesla kontrolliert er nur rund 20 % der Stimmrechte, gegenüber 82 % bei SpaceX. Die Abstimmungsunterlagen für die Hauptversammlung am 3. Dezember enthalten keinen Fusionsvorschlag. Geschäftsbeziehungen zwischen den beiden Unternehmen bestehen bereits: SpaceX hat Cybertrucks im Wert von mehreren Hundert Millionen US-Dollar gekauft. xAI, das im Februar mit SpaceX verschmolzen wurde, ist ein wichtiger Kunde für Teslas Energiespeicherbatterien. Zudem bauen die beiden Unternehmen gemeinsam die Chipfabrik Terafab in Texas.

Zu den Synergien, die Musk in der Telefonkonferenz aufzählte, gehörten Superintelligenz-Software, Chipdesign und Robotik. Die eigentliche Verbindung liegt jedoch in der Stromversorgung: Wie er selbst sagte, wird Superintelligenz stärker durch Strom, Kühlung und Infrastruktur begrenzt als durch Chips.

Drei wichtige Termine im Blick

Am 22. Oktober endet die Haltefrist für bis zu 1,3 Milliarden SpaceX-Aktien. Das entspricht 28 % des Hauptbestands von rund 4,7 Milliarden Aktien, die einer Haltefrist unterliegen, und ist die größte Freigabe seit dem Börsengang im Juni. Weitere 328 Millionen Aktien werden am 24. Oktober freigegeben. Nach US-Börsenschluss am 21. Oktober legt Tesla seine Ergebnisse für das dritte Quartal vor. Die Fusion wird dabei mit Sicherheit Thema der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen sein. Am 3. Dezember finden die Abstimmungen auf der Tesla-Hauptversammlung statt.

Das Management hat seine Ziele für das kommende Jahr bereits deutlich höher gesteckt. Finanzvorstand Johnson erwartet für das erste Quartal des nächsten Jahres einen Umsatz von 33 bis 37 Milliarden US-Dollar, weit über den Analystenerwartungen von 22,2 Milliarden US-Dollar. Zugleich sollen die Investitionsausgaben weiter steigen. Musk hat eine eigene Prognose abgegeben: Bis Ende 2027 soll der jährlich wiederkehrende Umsatz von SpaceX 500 Milliarden bis 1 Billion US-Dollar erreichen. Im Jahr 2027 sollen zudem 10 Gigawatt Rechenkapazität in Betrieb gehen. Diese Umsatzprognose ist bislang in keinem Modell eines Finanzinstituts berücksichtigt. Sie ist Musks Begründung dafür, dass die beiden Geschäfte seiner Ansicht nach unter das Dach eines einzigen Unternehmens gehören.

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