Euro erholt sich von neuem Tief: Als Nächstes stehen BIP-Daten aus dem Euroraum an

  • EUR/USD steigt auf knapp unter 1,1200, nachdem das Paar unter sein Tief vom 14. Oktober gefallen war.
  • EZB-Präsidentin Lagarde hält eine Zinserhöhung im Dezember nach der einstimmig beschlossenen Zinspause für wahrscheinlich.
  • Die Inflationsdaten für den Euroraum im Oktober werden am Mittwoch, dem 4. November, veröffentlicht; zuletzt lag die Rate bei 3,8 %.

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Lagarde, erklärte, eine weitere Zinserhöhung im Dezember bleibe wahrscheinlich. EUR/USD ist unterdessen von einem Niveau unter dem Tief vom 14. Oktober über das Hoch vom Mittwoch gestiegen. Das Paar war zunächst auf knapp über 1,1100 gefallen, bevor es nach oben drehte. Es notiert nun knapp unter 1,1200 nahe seinem Tageshoch und steuert auf den zweiten Tagesgewinn in Folge zu.

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Die EZB beließ ihren Einlagensatz bei 2,50 %, nachdem sie die Zinsen seit dem durch den Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisanstieg zweimal angehoben hatte. EZB-Präsidentin Lagarde sagte, eine dritte Zinserhöhung sei diskutiert worden, bevor die Entscheidung für unveränderte Zinsen einstimmig gefallen sei. Während sie Fragen beantwortete, begann EUR/USD zu steigen. Die Geldmärkte veranschlagen die Wahrscheinlichkeit einer solchen Zinserhöhung im Dezember auf über 80 %.

EZB-Präsidentin Lagarde kündigte in einem vor der Entscheidung veröffentlichten Video an, ihr Amt am 7. Februar niederzulegen, rund neun Monate vor dem Ende ihrer Amtszeit. EUR/USD erreichte sein Tagestief im Zuge des anschließenden Zinsentscheids. Goldman Sachs erklärte, die EZB dürfte unabhängig davon, wer ihre Nachfolge antritt, denselben Kurs verfolgen.

Anstehende Termine

Die erste Schätzung zum Wirtschaftswachstum im Euroraum im dritten Quartal wird am Freitag um 10:00 Uhr GMT veröffentlicht. Erwartet werden 0,2 % nach zuvor 0,6 %. EZB-Chefvolkswirt Lane spricht um 16:10 Uhr GMT. Die Inflationsdaten für den Euroraum im Oktober folgen am 4. November um 10:00 Uhr GMT, nachdem die Rate im September bei 3,8 % gelegen hatte. Alle drei Termine sind für die Zinserhöhung im Dezember von Bedeutung.

Der US-Arbeitskostenindex für das dritte Quartal wird am Freitag um 12:30 Uhr GMT veröffentlicht. Die Prognose liegt bei 0,8 % nach zuvor 0,9 %. Der Dienstleistungsindex des Institute for Supply Management (ISM) folgt am 4. November um 15:00 Uhr GMT, einen Tag nach den US-Zwischenwahlen. Zuletzt hatte er bei 54,9 gelegen. Beide Indikatoren fließen in die nächste geldpolitische Entscheidung der Fed im Dezember ein.

Charttechnische Lage

Mit der Erholung vom Tagestief wurde etwa ein Achtel des Rückgangs seit dem Augusthoch wettgemacht. EUR/USD liegt weiterhin rund 150 Pips unter seinem exponentiellen gleitenden 50-Tage-Durchschnitt (EMA). Mitte September kreuzte der 50-Tage-EMA den 200-Tage-EMA von oben nach unten. Der Abstand zwischen beiden beträgt etwa 1,5 Cent.


EUR/USD-Tageschart

Häufig gestellte Fragen zum Euro

Der Euro ist die Währung der 20 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die dem Euroraum angehören. Er ist nach dem US-Dollar die am zweithäufigsten gehandelte Währung der Welt. Im Jahr 2022 war er an 31 % aller Devisentransaktionen beteiligt, bei einem durchschnittlichen Tagesumsatz von über 2,2 Billionen US-Dollar. EUR/USD ist das meistgehandelte Währungspaar der Welt und macht schätzungsweise 30 % aller Transaktionen aus, gefolgt von EUR/JPY (4 %), EUR/GBP (3 %) und EUR/AUD (2 %).

Die Europäische Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Zentralbank des Euroraums. Sie legt die Zinssätze fest und steuert die Geldpolitik. Das vorrangige Mandat der EZB ist die Wahrung der Preisstabilität. Dazu muss sie entweder die Inflation eindämmen oder das Wachstum ankurbeln. Ihr wichtigstes Instrument ist die Anhebung oder Senkung der Zinssätze. Relativ hohe Zinsen – oder die Erwartung höherer Zinsen – stützen in der Regel den Euro und umgekehrt. Der EZB-Rat trifft seine geldpolitischen Entscheidungen auf Sitzungen, die achtmal im Jahr stattfinden. Die Entscheidungen werden von den Präsidenten der nationalen Zentralbanken des Euroraums und sechs ständigen Mitgliedern getroffen, darunter EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

Die anhand des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessenen Inflationsdaten des Euroraums sind eine wichtige wirtschaftliche Kennzahl für den Euro. Steigt die Inflation stärker als erwartet, insbesondere über das EZB-Ziel von 2 %, muss die EZB die Zinsen anheben, um sie wieder unter Kontrolle zu bringen. Im Vergleich zu anderen Währungsräumen relativ hohe Zinsen stützen in der Regel den Euro, da sie die Region für internationale Anleger als Anlageort attraktiver machen.

Veröffentlichte Konjunkturdaten geben Aufschluss über die Verfassung der Wirtschaft und können sich auf den Euro auswirken. Kennzahlen wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor, Beschäftigungsdaten sowie Umfragen zum Verbrauchervertrauen können die Kursentwicklung der Gemeinschaftswährung beeinflussen. Eine starke Wirtschaft ist gut für den Euro. Sie zieht nicht nur mehr ausländische Investitionen an, sondern kann die EZB auch zu Zinserhöhungen veranlassen, die den Euro unmittelbar stärken. Fallen die Konjunkturdaten dagegen schwach aus, dürfte der Euro nachgeben. Besonders wichtig sind die Konjunkturdaten der vier größten Volkswirtschaften des Euroraums (Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien), da diese 75 % der Wirtschaftsleistung des Euroraums ausmachen.

Eine weitere wichtige Datenveröffentlichung für den Euro ist die Handelsbilanz. Dieser Indikator misst die Differenz zwischen den Exporteinnahmen und den Importausgaben eines Landes in einem bestimmten Zeitraum. Produziert ein Land stark nachgefragte Exportgüter, gewinnt seine Währung allein durch die zusätzliche Nachfrage ausländischer Käufer, die diese Waren erwerben möchten, an Wert. Ein Handelsbilanzüberschuss stärkt daher eine Währung, während ein Handelsbilanzdefizit sie schwächt.