Euro gibt gegenüber dem kanadischen Dollar vor EZB-Zinsentscheid nach

  • Der Euro gibt vor dem Zinsentscheid der EZB nach, während energiebedingte Inflationsrisiken bestehen bleiben.
  • Die EZB dürfte ihren Einlagensatz bei 2,50 % belassen. Händler achten auf Hinweise auf mögliche Zinserhöhungen im Dezember.
  • Die Bank of Canada hat die Zinsen um 25 Basispunkte auf 2,50 % angehoben, damit den CAD gestützt und eine mögliche weitere Straffung signalisiert.

EUR/CAD setzt seine am 16. Oktober begonnene Verlustserie fort und notiert am Donnerstag im europäischen Handel bei rund 1,5580. Das Währungspaar gab nach, da der Euro (EUR) im Vorfeld des anstehenden geldpolitischen Entscheids der Europäischen Zentralbank (EZB) an Boden verlor.

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Es wird allgemein erwartet, dass die EZB ihren Einlagensatz auf ihrer Sitzung am Donnerstag unverändert bei 2,50 % belässt, nachdem sie die Zinsen im bisherigen Jahresverlauf um insgesamt 50 Basispunkte angehoben hatte. Die anhaltende energiegetriebene Inflation befeuert jedoch die Debatte darüber, ob die Währungshüter im Dezember die Zinserhöhungen wieder aufnehmen könnten. Daher prüfen die Marktteilnehmer genau, wie die EZB die Inflationsrisiken und das Wirtschaftswachstum einschätzt und welche Hinweise sie zum künftigen Zinspfad gibt.

Zusätzlichen Abwärtsdruck auf EUR/CAD übte die Aufwertung des kanadischen Dollars (CAD) aus. Dieser legte zu, nachdem die Bank of Canada (BoC) auf ihrer Oktobersitzung am Mittwoch ihren Leitzins für Tagesgeld um 25 Basispunkte auf 2,50 % angehoben hatte. BoC-Gouverneur Tiff Macklem deutete an, dass weitere Zinserhöhungen erforderlich sein könnten. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten wollen die Währungshüter jedoch vorsichtig vorgehen. Zur Untermauerung ihres restriktiven Kurses erklärte die BoC in ihrer offiziellen Stellungnahme, dass die anhaltende Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft Anlass gegeben habe, die Prognose für das globale BIP-Wachstum 2026 leicht auf 3,1 % anzuheben. Ihre Prognosen für 2027 und 2028 beließ sie dagegen bei jeweils 3,2 %.

Analysten der Danske Bank heben die verhaltene Marktreaktion auf die jüngste Zinserhöhung der Bank of Canada hervor und stellen fest, dass „USD/CAD und der zweijährige Swapsatz nach der Nachricht nahezu unverändert blieben“. Dies unterstreicht, dass der geldpolitische Kurswechsel keine nennenswerten Bewegungen bei wichtigen kanadischen Devisen- und Zinsreferenzwerten auslöste.

Häufig gestellte Fragen zum Euro

Der Euro ist die Währung der 20 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die dem Euroraum angehören. Nach dem US-Dollar ist er die am zweithäufigsten gehandelte Währung der Welt. Im Jahr 2022 entfielen auf ihn 31 % aller Devisentransaktionen, bei einem durchschnittlichen täglichen Handelsumsatz von über 2,2 Billionen US-Dollar. EUR/USD ist das weltweit meistgehandelte Währungspaar und macht schätzungsweise 30 % aller Transaktionen aus, gefolgt von EUR/JPY (4 %), EUR/GBP (3 %) und EUR/AUD (2 %).

Die Europäische Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Zentralbank des Euroraums. Sie legt die Zinssätze fest und steuert die Geldpolitik. Das vorrangige Mandat der EZB besteht darin, Preisstabilität zu gewährleisten, was bedeutet, entweder die Inflation einzudämmen oder das Wachstum anzukurbeln. Ihr wichtigstes Instrument ist die Anhebung oder Senkung der Zinsen. Relativ hohe Zinsen – oder die Erwartung höherer Zinsen – stützen in der Regel den Euro. Umgekehrt belasten niedrigere Zinsen die Währung. Der EZB-Rat trifft seine geldpolitischen Entscheidungen auf Sitzungen, die achtmal im Jahr stattfinden. Die Entscheidungen werden von den Präsidenten der nationalen Zentralbanken des Euroraums und sechs ständigen Mitgliedern getroffen, darunter EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

Die anhand des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessenen Inflationsdaten des Euroraums sind eine wichtige wirtschaftliche Kennzahl für den Euro. Steigt die Inflation stärker als erwartet, insbesondere über das Inflationsziel der EZB von 2 %, muss die EZB die Zinsen anheben, um die Teuerung wieder unter Kontrolle zu bringen. Im Vergleich zu anderen Währungsräumen relativ hohe Zinsen stützen in der Regel den Euro, da sie die Region für internationale Anleger als Standort für ihre Geldanlage attraktiver machen.

Veröffentlichte Konjunkturdaten geben Aufschluss über den Zustand der Wirtschaft und können sich auf den Euro auswirken. Indikatoren wie das BIP, die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor, Beschäftigungsdaten und Umfragen zur Verbraucherstimmung können die Kursrichtung der Gemeinschaftswährung beeinflussen. Eine starke Wirtschaft ist gut für den Euro. Sie zieht nicht nur mehr ausländische Investitionen an, sondern kann die EZB auch zu Zinserhöhungen veranlassen, die den Euro unmittelbar stärken. Fallen die Konjunkturdaten hingegen schwach aus, dürfte der Euro nachgeben. Besonders bedeutsam sind die Konjunkturdaten der vier größten Volkswirtschaften des Euroraums (Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien), da diese 75 % der Wirtschaftsleistung des Euroraums ausmachen.

Eine weitere wichtige Datenveröffentlichung für den Euro ist die Handelsbilanz. Dieser Indikator misst die Differenz zwischen den Exporteinnahmen und den Importausgaben eines Landes in einem bestimmten Zeitraum. Produziert ein Land stark nachgefragte Exportgüter, gewinnt seine Währung allein durch die zusätzliche Nachfrage ausländischer Käufer, die diese Waren erwerben möchten, an Wert. Ein Handelsbilanzüberschuss stärkt daher eine Währung, während ein Handelsbilanzdefizit sie entsprechend schwächt.