
Die indische Rupie setzt am Freitag ihre Schwäche vom Donnerstag gegenüber dem US-Dollar (USD) fort und büßt damit nahezu sämtliche Gewinne vom Wochenbeginn ein. Das Währungspaar USD/INR springt auf knapp 94,92, da die aufgrund der Spannungen im Nahen Osten stark steigenden Ölpreise die indische Währung erheblich belasten.

Zu Handelsbeginn legt der am 19. November auslaufende MCX-Rohölkontrakt um 0,65 % auf rund 9.550 Rupien zu. Der Ölpreis liegt damit nahe seinem jüngsten Hoch von 9.661 Rupien, das er zu Beginn dieser Woche erreicht hatte.
Höhere Ölpreise belasten die Währungen von Volkswirtschaften wie Indien, die zur Deckung ihres Energiebedarfs stark auf Ölimporte angewiesen sind.
Analysten der Commerzbank berichten, die Spannungen im Nahen Osten hätten sich „verschärft, nachdem bei einem Drohnenangriff auf das saudi-arabische Ölfeld Shaybah zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt worden waren“. Sie weisen jedoch darauf hin, dass die Auswirkungen auf den Rohölpreis letztlich begrenzt blieben. Sie betonen, dass „die Ölpreise nach Berichten über einen umfassenderen Abzug von US-Diplomaten aus der Golfregion kurzzeitig sprunghaft anzogen“. Der Anstieg habe sich jedoch wieder abgeschwächt, als „Washington klarstellte, dass die Anordnung auf Saudi-Arabien beschränkt war“, woraufhin der Markt einen Teil der vorherigen Gewinne wieder abgab.
Der Abzug von nicht unbedingt benötigtem US-Personal aus der Golfregion hat Befürchtungen geweckt, dass die militärische Aggression im Iran weiter eskalieren könnte.
Den vorläufigen Daten zum HSBC Global Einkaufsmanagerindex (PMI) für Oktober zufolge blieb die gesamtwirtschaftliche Aktivität stark. Der Gesamt-PMI liegt bei 56,7 und damit über dem endgültigen Septemberwert von 55,9. Die starke Aktivität im Dienstleistungssektor führte zu einem deutlichen Anstieg des Gesamt-PMI.
„Die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe des Privatsektors nahm weiter zu, wobei das Wachstum der Produktion und der Neuaufträge weitgehend auf dem Niveau des Vormonats blieb. Hinter dem stabilen Wachstum der Neuaufträge verbirgt sich jedoch der stärkste Anstieg der neuen Exportaufträge seit Juni 2025. Die Hersteller reagierten darauf mit einer Aufstockung ihrer Bestände an Vorprodukten und Fertigwaren. Der Anstieg der Vorleistungskosten ließ nach, während sich der Anstieg der Verkaufspreise auf das niedrigste Tempo seit fast vier Jahren verlangsamte“, sagte Pranjul Bhandari, Chefvolkswirtin für Indien bei HSBC.
US-PMI-Daten werden erwartet
Anleger warten auf die vorläufigen US-Einkaufsmanagerindizes von S&P Global für Oktober, die um 13:45 Uhr GMT veröffentlicht werden. Sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor wird mit einer erneuten Ausweitung der Aktivität gerechnet, allerdings in moderatem Tempo.

Im Tageschart notiert USD/INR bei 94,92 und bleibt kurzfristig bärisch ausgerichtet, da sich der Kurs unter dem exponentiellen gleitenden 20-Tage-Durchschnitt (EMA) bei 95,38 hält.
Das Währungspaar hat von seinen jüngsten Höchstständen deutlich nachgegeben. Der Relative-Stärke-Index (14) liegt mit 37,94 nur knapp oberhalb des überverkauften Bereichs. Dies deutet darauf hin, dass die Abwärtsdynamik zwar anhält, der Verkaufsdruck jedoch etwas nachlassen könnte.
Auf der Oberseite liegt der unmittelbare Widerstand am 20-Tage-EMA bei rund 95,38. Dieser begrenzt Erholungsversuche und muss zurückerobert werden, um die derzeitige Abwärtstendenz abzuschwächen. Auf der Unterseite bildet das Tief vom 25. Juni bei 94,15 die zentrale Unterstützung.
(Die technische Analyse dieses Artikels wurde mithilfe eines KI-Tools erstellt. Mehr erfahren.)
Die indische Rupie (INR) gehört zu den Währungen, die besonders empfindlich auf externe Faktoren reagieren. Der Rohölpreis (das Land ist stark von Ölimporten abhängig), der Wert des US-Dollars – der Großteil des Handels wird in USD abgewickelt – und das Volumen ausländischer Investitionen spielen dabei eine wichtige Rolle. Direkte Interventionen der Reserve Bank of India (RBI) an den Devisenmärkten zur Stabilisierung des Wechselkurses sowie das von der RBI festgelegte Zinsniveau sind weitere wesentliche Einflussfaktoren für die Rupie.
Die Reserve Bank of India (RBI) greift aktiv an den Devisenmärkten ein, um einen stabilen Wechselkurs zu gewährleisten und so den Handel zu erleichtern. Darüber hinaus versucht die RBI, die Inflationsrate durch Zinsanpassungen bei ihrem Zielwert von 4 % zu halten. Höhere Zinsen stärken in der Regel die Rupie. Dies hängt mit sogenannten „Carry Trades“ zusammen: Anleger nehmen in Ländern mit niedrigerem Zinsniveau Kredite auf, um das Geld in Ländern mit vergleichsweise höheren Zinsen anzulegen und von der Zinsdifferenz zu profitieren.
Zu den makroökonomischen Faktoren, die den Wert der Rupie beeinflussen, zählen die Inflation, die Zinsen, das Wirtschaftswachstum (BIP), die Handelsbilanz und Zuflüsse aus ausländischen Investitionen. Ein höheres Wirtschaftswachstum kann mehr ausländische Investitionen anziehen und damit die Nachfrage nach der Rupie steigern. Ein geringeres Handelsbilanzdefizit führt letztlich zu einer stärkeren Rupie. Höhere Zinsen, insbesondere höhere Realzinsen (Zinsen abzüglich Inflation), wirken sich ebenfalls positiv auf die Rupie aus. Ein Umfeld erhöhter Risikobereitschaft kann zu stärkeren Zuflüssen aus ausländischen Direktinvestitionen und indirekten Investitionen (FDI und FII) führen, die der Rupie ebenfalls zugutekommen.
Eine höhere Inflation, insbesondere wenn sie über derjenigen vergleichbarer Volkswirtschaften liegt, wirkt sich in der Regel negativ auf die Währung aus, da sie eine Geldentwertung durch ein Überangebot widerspiegelt. Inflation erhöht zudem die Exportkosten, wodurch mehr Rupien verkauft werden, um Importe aus dem Ausland zu bezahlen. Dies belastet die Rupie. Gleichzeitig veranlasst eine höhere Inflation die Reserve Bank of India (RBI) in der Regel dazu, die Zinsen anzuheben. Dies kann die Rupie aufgrund der steigenden Nachfrage internationaler Anleger stärken. Bei niedrigerer Inflation gilt der umgekehrte Effekt.