
Der Neuseeland-Dollar (NZD) verzeichnet am Freitag leichte Gewinne gegenüber dem US-Dollar (USD), bewegt sich jedoch weiterhin innerhalb der Handelsspanne vom Donnerstag. Angesichts neuer Fünfmonatshochs bei den Ölpreisen herrscht eine moderat risikoscheue Marktstimmung. NZD/USD notiert im Bereich von 0,5690 und damit knapp unter dem zu Wochenbeginn erreichten Einmonatshoch von 0,5710, wobei die Aufwärtsdynamik nachlässt.
Der Kiwi zählt in dieser Woche zu den stärksten Hauptwährungen. Auftrieb erhält er durch die zunehmende Erwartung, dass die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) bei ihrer geldpolitischen Sitzung in der kommenden Woche die Zinsen anheben wird, da der niedrigere Wechselkurs und der Energiepreisschock die kurzfristigen Inflationsaussichten nach oben getrieben haben.

Die Risikobereitschaft lässt am Freitag jedoch nach, da die Spannungen im Nahen Osten zunehmen und die Ölpreise steigen lassen. Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl erreichte am Freitag mit über 110,00 US-Dollar ein Fünfmonatshoch. Dies treibt die globale Inflation in die Höhe und erhöht zugleich die Anfälligkeit rohölimportierender Volkswirtschaften wie Neuseeland, was die RBNZ vor eine erhebliche Herausforderung stellen könnte.
Dennoch hat der US-Dollar in dieser Woche keine nennenswerte Unterstützung durch die Risikoaversion erhalten. Der Greenback bleibt unter Druck, da Anleger angesichts des jüngsten Rückgangs der Renditen von US-Staatsanleihen ihre Hoffnungen auf eine Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in der kommenden Woche aufgeben und das Gesamtausmaß des Straffungszyklus abwägen.
Die Renditen langfristiger US-Anleihen sind in dieser Woche deutlich gesunken, da zunehmende Sorgen um die Rentabilität des KI-Sektors Anleger zur Rückkehr in sichere US-Staatsanleihen veranlasst haben. Dadurch lässt der Druck auf die Notenbank nach, die Zinsen anzuheben.
Am späteren Freitag stehen die vorläufigen US-Einkaufsmanagerindizes (PMI) von S&P Global auf dem Wirtschaftskalender, die Aufschluss über die Stärke der Geschäftsaktivität geben werden. Ihre Auswirkungen auf den US-Dollar dürften jedoch begrenzt bleiben, da sie den Ausblick auf die nächste geldpolitische Sitzung der Fed nicht verändern werden.
Die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) ist die Zentralbank Neuseelands. Ihre wirtschaftspolitischen Ziele sind das Erreichen und die Wahrung von Preisstabilität – diese gilt als erreicht, wenn die am Verbraucherpreisindex (CPI) gemessene Inflation innerhalb einer Bandbreite von 1 % bis 3 % liegt – sowie die Unterstützung eines möglichst hohen nachhaltigen Beschäftigungsniveaus.
Der geldpolitische Ausschuss (MPC) der Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) legt im Einklang mit seinen Zielen die angemessene Höhe des Leitzinses, der Official Cash Rate (OCR), fest. Liegt die Inflation über dem Zielwert, versucht die Zentralbank, sie durch eine Anhebung der OCR einzudämmen. Dadurch verteuern sich Kredite für private Haushalte und Unternehmen, was die Wirtschaft abkühlt. Höhere Zinsen wirken sich im Allgemeinen positiv auf den Neuseeland-Dollar (NZD) aus, da sie zu höheren Renditen führen und das Land für Anleger attraktiver machen. Niedrigere Zinsen hingegen schwächen den NZD tendenziell.
Die Beschäftigung ist für die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) wichtig, weil ein angespannter Arbeitsmarkt die Inflation anheizen kann. Das Ziel der RBNZ einer „maximalen nachhaltigen Beschäftigung“ ist als die höchstmögliche Auslastung des Arbeitskräftepotenzials definiert, die sich langfristig aufrechterhalten lässt, ohne die Inflation zu beschleunigen. „Wenn die Beschäftigung ihr höchstes nachhaltiges Niveau erreicht, ist die Inflation niedrig und stabil. Liegt die Beschäftigung jedoch zu lange über diesem Niveau, führt dies letztlich dazu, dass die Preise immer schneller steigen. Dann muss der MPC die Zinsen anheben, um die Inflation unter Kontrolle zu halten“, erklärt die Zentralbank.
In Extremsituationen kann die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) ein geldpolitisches Instrument einsetzen, das als quantitative Lockerung (Quantitative Easing, QE) bezeichnet wird. Dabei schafft die RBNZ Geld in Landeswährung und kauft damit Vermögenswerte – in der Regel Staats- oder Unternehmensanleihen – von Banken und anderen Finanzinstituten. Ziel ist es, die inländische Geldmenge zu erhöhen und die Wirtschaftstätigkeit anzukurbeln. QE führt üblicherweise zu einem schwächeren Neuseeland-Dollar (NZD). Es gilt als letztes Mittel, wenn eine bloße Zinssenkung voraussichtlich nicht ausreicht, um die Ziele der Zentralbank zu erreichen. Die RBNZ setzte dieses Instrument während der Covid-19-Pandemie ein.