WTI-Öl steigt über 99 US-Dollar, da der Krieg im Nahen Osten weiter zu eskalieren droht

  • WTI-Öl legt am Donnerstag um 1,9 % zu und erreicht Tageshochs über 99,00 US-Dollar.
  • Sorgen vor einer erneuten Eskalation des Konflikts und neue Angriffe auf saudische Ölfelder haben die Rohölpreise steigen lassen.
  • Am Mittwoch veröffentlichte EIA-Daten zeigten, dass die US-Rohölbestände in der vergangenen Woche deutlich stärker als erwartet zurückgegangen sind.

Die Ölpreise haben sich am Donnerstag kräftig erholt, da sich die Lage im Nahostkonflikt eintrübt und am Markt erneut Sorgen über Angebotsbeschränkungen aufkommen. Die US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) legt im bisherigen Tagesverlauf um rund 1,9 % zu und notiert über 99,00 US-Dollar. Hintergrund sind neue Drohungen Irans gegen das US-Militär sowie Spekulationen, dass Israel erneut in den Konflikt eingreifen könnte.

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Die Marine der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) erklärte am frühen Donnerstag, Washingtons anhaltendes Drängen darauf, Schiffe auf als illegal eingestuften Routen durch die Straße von Hormus zu führen, könnte Angriffe auf US-Stützpunkte in der Region nach sich ziehen.

Die IRGC erklärten außerdem, ihre Streitkräfte hätten vier Schiffe getroffen, die an illegalen Öltransfers im Persischen Golf beteiligt gewesen seien. Drei weitere Schiffe seien beim Versuch, die Straße von Hormus zu durchqueren, auf Seeminen gelaufen.

Saudische Ölfelder bleiben bedroht

Diese Äußerungen folgen auf einen erneuten Drohnenangriff der jemenitischen Huthi-Milizen, eines engen Verbündeten Teherans, auf das Shaybah-Ölfeld von Aramco. Dabei wurden Berichten zufolge zwei Menschen getötet, was erneut Sorgen über Unterbrechungen der saudischen Ölversorgung ausgelöst hat.

Verschärft wird die Lage durch einen Bericht der New York Times unter Berufung auf US-Regierungsvertreter. Demnach könnten die USA und Israel nach den US-Zwischenwahlen eine neue Runde umfangreicher Luftangriffe auf Iran planen, um Teheran am Verhandlungstisch zu Zugeständnissen zu zwingen. 

Am Mittwoch veröffentlichte Daten der US-Energiebehörde Energy Information Administration (EIA) zeigten, dass die kommerziellen Ölbestände in der Woche bis zum 16. Oktober um 3,1 Millionen Barrel gesunken sind. Der Rückgang übertrifft den von Marktanalysten prognostizierten Abbau um 800.000 Barrel deutlich und verleiht den Preisen zusätzlichen Auftrieb.

Häufig gestellte Fragen zu WTI-Öl

WTI-Öl ist eine Rohölsorte, die an internationalen Märkten gehandelt wird. WTI steht für West Texas Intermediate und zählt neben Brent und Dubai Crude zu den drei wichtigsten Rohölsorten. Aufgrund seiner relativ geringen Dichte und seines niedrigen Schwefelgehalts wird WTI auch als „leicht“ beziehungsweise „süß“ bezeichnet. Es gilt als hochwertiges Öl, das sich leicht raffinieren lässt. Es wird in den Vereinigten Staaten gefördert und über den Umschlagplatz Cushing verteilt, der als „Pipeline-Kreuzung der Welt“ gilt. WTI dient als Referenzsorte für den Ölmarkt, und sein Preis wird häufig in den Medien genannt.

Wie bei allen Vermögenswerten sind Angebot und Nachfrage die wichtigsten Einflussfaktoren für den Preis von WTI-Öl. So kann das globale Wirtschaftswachstum die Nachfrage ankurbeln, während ein schwaches Wachstum den gegenteiligen Effekt haben kann. Politische Instabilität, Kriege und Sanktionen können das Angebot beeinträchtigen und die Preise beeinflussen. Die Entscheidungen der OPEC, eines Zusammenschlusses wichtiger Ölförderländer, sind ein weiterer wesentlicher Preisfaktor. Auch der Wert des US-Dollars beeinflusst den WTI-Rohölpreis, da Öl überwiegend in US-Dollar gehandelt wird. Ein schwächerer US-Dollar kann Öl daher erschwinglicher machen und umgekehrt.

Die wöchentlichen Berichte zu den Öllagerbeständen des American Petroleum Institute (API) und der US-Energiebehörde EIA beeinflussen den Preis von WTI-Öl. Veränderungen der Lagerbestände spiegeln Schwankungen von Angebot und Nachfrage wider. Zeigen die Daten einen Rückgang der Bestände, kann dies auf eine gestiegene Nachfrage hindeuten und den Ölpreis nach oben treiben. Höhere Lagerbestände können ein gestiegenes Angebot widerspiegeln und die Preise drücken. Der API-Bericht erscheint jeden Dienstag, der EIA-Bericht am darauffolgenden Tag. Die Ergebnisse sind in der Regel ähnlich: In 75 % der Fälle weichen sie um höchstens 1 % voneinander ab. Die EIA-Daten gelten als zuverlässiger, da sie von einer staatlichen Behörde stammen.

Die OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) ist ein Zusammenschluss von zwölf Ölförderländern, die bei ihren zweimal jährlich stattfindenden Treffen gemeinsam Förderquoten für die Mitgliedsländer beschließen. Ihre Entscheidungen wirken sich häufig auf die WTI-Ölpreise aus. Beschließt die OPEC, die Quoten zu senken, kann dies das Angebot verknappen und die Ölpreise nach oben treiben. Erhöht die OPEC die Förderung, hat dies den gegenteiligen Effekt. OPEC+ bezeichnet eine erweiterte Gruppe, der zehn weitere Länder angehören, die nicht Mitglied der OPEC sind. Das bedeutendste davon ist Russland.