WTI steigt angesichts der Pattsituation bei den Wahlen in Israel und eines Angriffs auf saudische Infrastruktur über 100,00 US-Dollar

  • WTI legt zu, nachdem die Wahl in Israel zu einer Pattsituation zwischen Netanjahu und Eisenkot geführt hat.
  • Die diplomatischen Bemühungen in der Region gewannen durch Treffen der Führungen Saudi-Arabiens, Pakistans, der Türkei und des Iran an Dynamik.
  • Raketenangriffe der Huthi auf die größte Ölraffinerie Saudi-Arabiens verstärkten die Sorgen um die Versorgungssicherheit zusätzlich.

Der Preis für Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) steigt nach zwei Verlusttagen und notiert am Mittwoch im asiatischen Handel bei rund 100,30 US-Dollar je Barrel. Die Rohölpreise legten zu, während die globalen Märkte die Wahlergebnisse in Israel aufmerksam verfolgten, da diese den Verlauf des anhaltenden Nahostkonflikts verändern könnten.

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Nachwahlbefragungen deuteten auf ein knappes Rennen hin: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Oppositionsführer Gadi Eisenkot lagen gleichauf, wobei sich während der noch laufenden Stimmenauszählung keines der beiden Lager eine Mehrheit sichern konnte. Trotz der Pattsituation weisen die Ergebnisse auf eine schwindende Unterstützung für Netanjahu hin, der die israelische Politik seit Jahrzehnten prägt und das Land durch fast drei Jahre ununterbrochener Konflikte geführt hat.

Unterdessen bewerteten die Märkte die erneuten diplomatischen Bemühungen in der Region nach den Treffen iranischer Spitzenvertreter mit Vertretern Saudi-Arabiens, Pakistans und der Türkei am Montag. Zusätzlichen diplomatischen Schwung brachte der Aufruf des obersten iranischen Führers Modschtaba Chamenei, den gegenwärtigen Zustand von „weder Krieg noch Frieden“ zu beenden.

Die Aussichten auf Frieden bleiben jedoch angesichts der eskalierenden Gewalt der mit dem Iran verbündeten Huthi im Jemen höchst ungewiss. Die Gruppe nahm ihre Angriffe auf den bedeutenden Ölproduzenten Saudi-Arabien wieder auf und erklärte am Dienstag, sie habe die größte Ölraffinerie des Königreichs, Ras Tanura, mit einer ballistischen Rakete getroffen.

Geopolitischer Konfrontationskurs gegenüber dem Iran hält die Risikoprämie für Brent hoch

Nach Einschätzung der Analysten der Commerzbank bleibt das geopolitische Umfeld für Brent äußerst angespannt. US-Präsident Donald Trump hatte dem Iran kürzlich gedroht und erklärt, er werde bald entscheiden, ob er ein Abkommen schließen oder „ihm den Rest geben“ werde. Die Bank warnt, dass „nach den US-Zwischenwahlen in der kommenden Woche neue US-Angriffe auf den Iran stattfinden könnten“. Sie ergänzt, dass auch der Ausgang der heutigen Parlamentswahl in Israel für den weiteren Verlauf des Konflikts entscheidend sein könnte. Sollte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Amt bestätigt werden, könnte er nach Warnung der Commerzbank „versuchen, einen Regimewechsel im Iran herbeizuführen“. Ein solches Szenario würde die bereits in den Ölpreisen enthaltene Risikoprämie weiter verfestigen.

Häufig gestellte Fragen zu WTI-Öl

WTI-Öl ist eine Rohölsorte, die an internationalen Märkten gehandelt wird. WTI steht für West Texas Intermediate und gehört neben Brent und Dubai Crude zu den drei wichtigsten Rohölsorten. WTI wird aufgrund seiner relativ geringen Dichte als „leicht“ und wegen seines niedrigen Schwefelgehalts als „süß“ bezeichnet. Es gilt als hochwertiges Öl, das sich leicht raffinieren lässt. Es wird in den Vereinigten Staaten gefördert und über den Umschlagplatz Cushing vertrieben, der als „Pipeline-Kreuzung der Welt“ gilt. WTI dient als Referenzsorte für den Ölmarkt, und sein Preis wird häufig in den Medien genannt.

Wie bei allen Vermögenswerten sind Angebot und Nachfrage die wichtigsten Einflussfaktoren für den Preis von WTI-Öl. So kann das weltweite Wirtschaftswachstum die Nachfrage steigern, während ein schwaches globales Wachstum den gegenteiligen Effekt haben kann. Politische Instabilität, Kriege und Sanktionen können das Angebot beeinträchtigen und sich auf die Preise auswirken. Die Entscheidungen der OPEC, eines Zusammenschlusses bedeutender erdölproduzierender Länder, sind ein weiterer wichtiger Preisfaktor. Auch der Wert des US-Dollars beeinflusst den WTI-Rohölpreis, da Öl überwiegend in US-Dollar gehandelt wird. Ein schwächerer US-Dollar kann Öl somit erschwinglicher machen, während ein stärkerer US-Dollar den gegenteiligen Effekt haben kann.

Die wöchentlichen Berichte zu den Öllagerbeständen des American Petroleum Institute (API) und der US-Energieinformationsbehörde (EIA) beeinflussen den Preis von WTI-Öl. Veränderungen der Lagerbestände spiegeln Schwankungen von Angebot und Nachfrage wider. Zeigen die Daten einen Rückgang der Bestände, kann dies auf eine gestiegene Nachfrage hindeuten und den Ölpreis nach oben treiben. Höhere Lagerbestände können auf ein gestiegenes Angebot hinweisen und die Preise drücken. Der API-Bericht erscheint jeden Dienstag, der EIA-Bericht am darauffolgenden Tag. Die Ergebnisse fallen in der Regel ähnlich aus: In 75 % der Fälle weichen sie um höchstens 1 % voneinander ab. Die EIA-Daten gelten als verlässlicher, da es sich bei der EIA um eine staatliche Behörde handelt.

Die OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) ist ein Zusammenschluss von zwölf erdölproduzierenden Staaten, die bei ihren zweimal jährlich stattfindenden Treffen gemeinsam Förderquoten für die Mitgliedsländer festlegen. Ihre Entscheidungen wirken sich häufig auf die Preise für WTI-Öl aus. Beschließt die OPEC eine Senkung der Quoten, kann dies das Angebot verknappen und die Ölpreise nach oben treiben. Erhöht die OPEC die Förderung, hat dies den gegenteiligen Effekt. OPEC+ bezeichnet eine erweiterte Gruppe, der zusätzlich zehn Länder angehören, die nicht Mitglied der OPEC sind. Das bedeutendste davon ist Russland.