Euro stabilisiert sich vor Fed-Zinsentscheid nahe 17-Monats-Tief

  • EUR/USD legt leicht zu, da der US-Dollar vor dem Zinsentscheid der Fed nachgibt.
  • Die Fed dürfte die Zinsen unverändert lassen. Im Fokus stehen die Erwartungen an eine Zinserhöhung im Dezember.
  • Frankreichs Haushaltskrise hält den Euro unter Druck. Am Donnerstag steht die geldpolitische Entscheidung der EZB an.

EUR/USD tendiert am Mittwoch während des US-Handels freundlich, da der US-Dollar (USD) seinen Anstieg vor der um 18:00 Uhr GMT anstehenden geldpolitischen Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) unterbricht. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notiert das Währungspaar bei rund 1,1134, nachdem es kurzzeitig auf 1,1113 und damit auf den tiefsten Stand seit Mai 2025 gefallen war.

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Der US-Dollar-Index (DXY), der den Wert des Greenback gegenüber einem Korb aus sechs wichtigen Währungen abbildet, notiert bei rund 102,33, nachdem er im bisherigen Tagesverlauf mit 102,49 ein neues Zweiwochenhoch erreicht hatte.

Es wird allgemein erwartet, dass die Fed die Zinsen unverändert bei 3,75 % bis 4,00 % belässt, nachdem sie diese im September um 25 Basispunkte angehoben hatte. Für Händler stellt sich die Frage, ob die Fed ihnen einen Grund liefert, weiter auf eine Zinserhöhung im Dezember zu setzen. Die Währungshüter halten an ihrem Ziel fest, die Inflation wieder auf den Zielwert der Notenbank von 2 % zurückzuführen.

Angesichts der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten überwiegen bei der Inflation weiterhin die Aufwärtsrisiken. Die Ölpreise erholen sich nach zwei Verlusttagen, nachdem das Wall Street Journal berichtet hatte, Washington habe die Golfstaaten vor einer möglichen Militäroperation gegen den Iran nach den US-Zwischenwahlen gewarnt.

Laut dem CME FedWatch Tool preisen Händler derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 85 % für eine Zinserhöhung im Dezember ein. Signale, dass eine weitere geldpolitische Straffung eine Option bleibt, könnten dem US-Dollar zu einer Fortsetzung seines Anstiegs verhelfen und den Euro belasten. Weniger restriktive Äußerungen könnten Händler hingegen dazu veranlassen, diese Wetten zurückzufahren, und EUR/USD damit Spielraum für eine Erholung eröffnen.

Analysten von ING betonen, dass EUR/USD „weiterhin auf den Jahrestiefständen liegt, da die breit angelegte Dollarstärke und die ungelöste französische Haushaltskrise das Geschehen bestimmen“. Strategen von Societe Generale ergänzen, der Euro habe sich „ungeachtet der Short-Positionen bislang kaum erholen können“. Sie weisen darauf hin, dass „Energiepreise, Sorgen um die Staatsfinanzen und soziale Unruhen die Gemeinschaftswährung allesamt belastet haben“.

Sie argumentieren: „Wenn die Botschaft des FOMC (wie auch immer sie in dieser schönen neuen Welt ausfallen mag) die Erwartungen an eine Zinserhöhung im Dezember aufrechterhält, bleiben wir tendenziell positiv für den Dollar gestimmt. Und sofern die EZB nicht sehr restriktiv auftritt, werden die europäischen Konjunkturfundamentaldaten belasten.“ Der Euro bleibt damit anfällig, solange die Erwartungen an die US-Geldpolitik den Dollar stützen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt ihre geldpolitische Entscheidung am Donnerstag bekannt. Es wird allgemein erwartet, dass sie ihren Einlagensatz unverändert bei 2,50 % belässt, nachdem sie die Zinsen in diesem Jahr bereits um insgesamt 50 Basispunkte angehoben hat. Händler werden nach Hinweisen auf eine mögliche Zinserhöhung im Dezember Ausschau halten und darauf achten, wie die Währungshüter das Spannungsverhältnis zwischen der anhaltenden energiepreisgetriebenen Inflation und den Wachstumsrisiken beurteilen.

Häufig gestellte Fragen zur Fed

Die Geldpolitik in den USA wird von der Federal Reserve (Fed) bestimmt. Die Fed hat ein doppeltes Mandat: Sie soll Preisstabilität gewährleisten und Vollbeschäftigung fördern. Ihr wichtigstes Instrument zur Erreichung dieser Ziele ist die Anpassung der Zinssätze. Wenn die Preise zu schnell steigen und die Inflation über dem Zielwert der Fed von 2 % liegt, erhöht sie die Zinsen. Dadurch steigen die Finanzierungskosten in der gesamten Wirtschaft. Dies stärkt den US-Dollar (USD), da die USA für internationale Anleger als Standort für ihre Geldanlagen attraktiver werden. Sinkt die Inflation unter 2 % oder ist die Arbeitslosenquote zu hoch, kann die Fed die Zinsen senken, um die Kreditaufnahme anzuregen. Das belastet den Greenback.

Die Federal Reserve (Fed) hält jährlich acht geldpolitische Sitzungen ab, bei denen der Offenmarktausschuss (FOMC) die wirtschaftliche Lage bewertet und geldpolitische Entscheidungen trifft. Dem FOMC gehören zwölf Vertreter der Fed an: die sieben Mitglieder des Gouverneursrats, der Präsident der Federal Reserve Bank of New York sowie vier der übrigen elf Präsidenten der regionalen Reserve Banks, die nach einem Rotationsprinzip jeweils für ein Jahr stimmberechtigt sind.

In Extremsituationen kann die Federal Reserve auf eine als quantitative Lockerung (Quantitative Easing, QE) bezeichnete Politik zurückgreifen. Dabei erhöht die Fed die Kreditversorgung in einem ins Stocken geratenen Finanzsystem erheblich. Es handelt sich um eine unkonventionelle geldpolitische Maßnahme, die in Krisenzeiten oder bei extrem niedriger Inflation eingesetzt wird. Während der großen Finanzkrise 2008 war sie das bevorzugte Instrument der Fed. Dabei schafft die Fed zusätzliche US-Dollar und kauft damit hochwertige Anleihen von Finanzinstituten. QE schwächt in der Regel den US-Dollar.

Quantitative Straffung (Quantitative Tightening, QT) ist der umgekehrte Prozess von QE: Die Federal Reserve stellt ihre Anleihekäufe bei Finanzinstituten ein und legt die Tilgungsbeträge aus fällig werdenden Anleihen in ihrem Bestand nicht wieder in neue Anleihen an. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf den Wert des US-Dollars aus.